Wer als Modemarke nachhaltigere Materialien beschaffen möchte, stößt schnell auf Abkürzungen wie GOTS, OEKO-TEX, GRS oder RCS.
Auf den ersten Blick klingen diese Zertifizierungen ähnlich. Tatsächlich prüfen sie jedoch sehr unterschiedliche Aspekte einer textilen Lieferkette.
GOTS beschäftigt sich vor allem mit zertifizierten Biofasern und deren Weiterverarbeitung. OEKO-TEX STANDARD 100 konzentriert sich auf die Prüfung von Textilien auf Schadstoffe. GRS und RCS wiederum dienen der Verifizierung und Rückverfolgbarkeit recycelter Materialien.
Für Modeunternehmen ist dieser Unterschied entscheidend.
Denn ein Zertifikat sollte nicht einfach als allgemeiner Beweis dafür verstanden werden, dass ein Produkt „nachhaltig“ ist. Vielmehr bestätigt jede Zertifizierung die Einhaltung eines genau definierten Standards innerhalb eines bestimmten Geltungsbereichs.
Gerade für deutsche und europäische B2B-Marken stellt sich deshalb nicht nur die Frage:
„Hat der Lieferant ein Zertifikat?“
Sondern vielmehr:
„Was genau zertifiziert dieses Dokument – und gilt es tatsächlich für unser Produkt und unsere Bestellung?“
Dieser Leitfaden erklärt die wichtigsten Unterschiede zwischen GOTS, OEKO-TEX, GRS und RCS und zeigt, welche Nachweise Fashion Brands vor Produktionsbeginn prüfen sollten.
Wer sich intensiver mit nachhaltigen Textilien beschäftigt, stößt bei der Materialbeschaffung schnell auf unterschiedliche Zertifizierungssysteme.
Was beweisen Nachhaltigkeitszertifizierungen tatsächlich?
Textilzertifizierungen schaffen unabhängige Nachweise für bestimmte Eigenschaften oder Produktionsanforderungen.
Je nach Standard können beispielsweise folgende Punkte überprüft werden:
- Herkunft bestimmter Fasern
- Bio-Status von Naturfasern
- Anteil recycelter Materialien
- Rückverfolgbarkeit innerhalb der Lieferkette
- Schadstoffprüfung
- Chemikalienmanagement
- Umweltanforderungen
- soziale Anforderungen
- Verarbeitungsschritte
- Chain of Custody
Entscheidend ist jedoch, den jeweiligen Prüfbereich nicht zu überschätzen.
Ein OEKO-TEX STANDARD 100 Zertifikat bestätigt beispielsweise, dass ein zertifizierter Artikel nach den Vorgaben des Standards auf Schadstoffe geprüft wurde. Es bestätigt nicht automatisch, dass die verwendete Baumwolle biologisch angebaut wurde. OEKO-TEX prüft dabei unter anderem Garn, Stoff, Knöpfe und weitere Bestandteile gegen eine Liste von mehr als 1.000 potenziell schädlichen Substanzen.
Umgekehrt sagt eine Zertifizierung für recycelte Materialien nicht automatisch aus, dass jede andere Umweltwirkung eines Kleidungsstücks geprüft wurde.
Für Marken gilt deshalb:
Je konkreter ein Nachhaltigkeitsclaim formuliert ist, desto klarer sollte auch der Nachweis dahinter sein.
GOTS vs. OEKO-TEX vs. GRS vs. RCS im Überblick
| Zertifizierung | Schwerpunkt | Materialfokus | Zusätzliche Anforderungen |
|---|---|---|---|
| GOTS | Biofasern und textile Verarbeitung | zertifizierte organische Naturfasern | Umwelt- und Sozialanforderungen |
| OEKO-TEX STANDARD 100 | Schadstoffprüfung | textile Materialien und Komponenten | produktbezogene Sicherheitsprüfung |
| GRS | Recycelte Materialien und Rückverfolgbarkeit | Recyclingfasern | zusätzliche soziale, ökologische und chemische Anforderungen |
| RCS | Recycelte Materialien und Chain of Custody | Recyclingfasern | Fokus auf Materialnachweis und Rückverfolgbarkeit |
Damit wird bereits deutlich:
Es gibt nicht die eine „beste“ Nachhaltigkeitszertifizierung für Mode.
Die richtige Zertifizierung hängt davon ab, welche Aussage eine Marke belegen möchte.
Was ist GOTS?

Der Global Organic Textile Standard (GOTS) gehört zu den bekanntesten Standards für Textilien aus zertifizierten Biofasern.
GOTS geht deutlich über den landwirtschaftlichen Anbau der Faser hinaus.
Der Standard umfasst relevante Bereiche der textilen Verarbeitung, Herstellung, Verpackung, Kennzeichnung, des Handels und der Distribution. GOTS gilt für textile Produkte mit mindestens 70 % zertifizierten organischen Naturfasern und integriert ökologische sowie soziale Anforderungen in die Lieferkette.
Für Marken, die beispielsweise T-Shirts, Hoodies, Sweatshirts, Unterwäsche oder andere Produkte aus Bio-Baumwolle entwickeln, kann GOTS deshalb besonders relevant sein.
Welche Faseranteile gelten bei GOTS?
GOTS unterscheidet unterschiedliche Label-Stufen.
Für die Kennzeichnung „Organic“ müssen mindestens 95 % des relevanten Faseranteils zertifiziert biologisch sein.
Für die Stufe „Made with organic materials“ gelten mindestens 70 % zertifizierte Biofasern.
Das bedeutet:
Nur weil ein Stoff Bio-Baumwolle enthält, ist das daraus hergestellte Kleidungsstück nicht automatisch ein GOTS-zertifiziertes Endprodukt.
Die Zertifizierung muss innerhalb der entsprechenden Lieferkette und für den jeweiligen Produktbereich korrekt abgedeckt sein.
Für Marken, die unterschiedliche Materialstrategien vergleichen, ist auch die Frage Bio-Baumwolle oder Recycling-Baumwolle relevant.
Warum GOTS mehr als ein Bio-Baumwoll-Zertifikat ist
Ein häufiger Fehler im Einkauf besteht darin, zwei unterschiedliche Aussagen gleichzusetzen:
„Aus Bio-Baumwolle hergestellt“
und
„GOTS-zertifiziert“
Das ist nicht dasselbe.
Ein Rohstoff kann einen biologischen Ursprung haben, ohne dass die nachfolgenden Verarbeitungsschritte vollständig unter einem GOTS-zertifizierten System durchgeführt wurden.
GOTS betrachtet deshalb auch die textile Weiterverarbeitung und stellt Anforderungen an zertifizierte Unternehmen innerhalb der relevanten Lieferkette.
Für Marken bedeutet das praktisch:
Wenn ein Lieferant „GOTS Cotton“ anbietet, sollte die nächste Frage lauten:
„Ist nur das Ausgangsmaterial zertifiziert oder kann auch unser konkretes Endprodukt innerhalb einer GOTS-konformen Lieferkette produziert werden?“
GOTS 8.0: Was Marken 2026 wissen sollten
GOTS Version 8.0 wurde im März 2026 veröffentlicht.
Die verpflichtende Anwendung der neuen Version beginnt am 1. März 2027. Bis dahin befindet sich der Standard in einer Übergangsphase.
Für Kollektionen, die 2026 oder Anfang 2027 entwickelt werden, sollten Marken deshalb prüfen, unter welcher Standardversion ihr Lieferant aktuell zertifiziert ist und welche Version bei der nächsten Auditierung relevant wird.
Was ist OEKO-TEX STANDARD 100?
OEKO-TEX STANDARD 100 gehört zu den am häufigsten genannten Zertifizierungen in der Bekleidungsindustrie – wird aber ebenso häufig falsch interpretiert.
Der Schwerpunkt liegt auf der Prüfung von Textilien auf Schadstoffe.
Vom Garn bis zum fertigen Produkt können textile Artikel und ihre Bestandteile geprüft werden.

Bei zertifizierten Produkten müssen beispielsweise auch relevante Komponenten wie:
- Garne
- Stoffe
- Nähfäden
- Knöpfe
- Reißverschlüsse
- Drucke
- weitere Accessoires
die entsprechenden Anforderungen erfüllen.
OEKO-TEX unterscheidet vier Produktklassen. Je intensiver der Hautkontakt und je empfindlicher die Zielgruppe, desto strenger sind die Anforderungen. Für Baby- und Kleinkindprodukte gelten beispielsweise die strengsten Grenzwerte.
Was beweist OEKO-TEX STANDARD 100 – und was nicht?
STANDARD 100 ist besonders relevant für Marken, die Sicherheit in Bezug auf schadstoffgeprüfte Textilien dokumentieren möchten.
Das Zertifikat beweist jedoch nicht automatisch, dass:
- Baumwolle aus biologischem Anbau stammt
- Polyester recycelt wurde
- die gesamte Fabrik „nachhaltig“ arbeitet
- das Produkt klimaneutral ist
- ausschließlich erneuerbare Energie eingesetzt wurde
- die komplette Lieferkette soziale Nachhaltigkeitskriterien erfüllt
Ein konventioneller Baumwollstoff kann beispielsweise STANDARD 100 zertifiziert sein, wenn er die entsprechenden Prüfanforderungen erfüllt.
Deshalb sollte eine Aussage wie:
„OEKO-TEX-zertifizierte Bio-Baumwolle“
nur dann verwendet werden, wenn sowohl die OEKO-TEX-Aussage als auch der Bio-Claim separat belegt werden können.
OEKO-TEX-Anforderungen werden regelmäßig aktualisiert
OEKO-TEX aktualisiert seine Anforderungen regelmäßig.
Neue STANDARD-100-Kriterien für 2026 wurden nach einer Übergangsfrist zum 1. Juni 2026 verbindlich. Unter anderem wurden Anforderungen rund um Risikoparameter und die Transparenz von Nassprozessen weiterentwickelt.
Für Einkaufsabteilungen reicht es deshalb nicht, irgendeine ältere Zertifikatskopie im Lieferantenordner zu haben.
Die Gültigkeit sollte für die aktuelle Produktion geprüft werden.
Was ist der Global Recycled Standard (GRS)?
Der Global Recycled Standard (GRS) wird von Textile Exchange verwaltet und dient dazu, recycelte Materialien zu verifizieren und entlang der Lieferkette nachvollziehbar zu machen.
Typische Anwendungsbereiche sind beispielsweise:
- recyceltes Polyester
- recycelte Baumwolle
- recyceltes Nylon
- andere geeignete Recyclingmaterialien
Der GRS beschränkt sich jedoch nicht ausschließlich auf den Materialnachweis.
Zusätzlich gelten Anforderungen für soziale, ökologische und chemische Aspekte der Verarbeitung. Das ist einer der zentralen Unterschiede zum RCS.
Wie hoch muss der Recyclinganteil bei GRS sein?
Diese Frage führt in der Praxis häufig zu Missverständnissen.
GRS kann im B2B-Bereich für Produkte mit mindestens 20 % recyceltem Material eingesetzt werden.
Für produktbezogene, verbrauchergerichtete GRS-Claims oder entsprechende Kennzeichnungen ist grundsätzlich ein Mindestanteil von 50 % recyceltem Material erforderlich.
Für Modemarken ist dieser Unterschied besonders wichtig.
Ein Stoff kann also innerhalb eines GRS-zertifizierten B2B-Prozesses gehandelt werden, ohne dass dies automatisch bedeutet, dass die Marke auf dem fertigen Produkt einen GRS-Claim verwenden darf.
Claims sollten deshalb vor der Bestellung geklärt werden – nicht erst nach Anlieferung der fertigen Ware.
GRS 5.0 seit Juli 2026
Textile Exchange veröffentlichte am 1. Juli 2026 den GRS 5.0.
Die Aktualisierung konzentriert sich unter anderem auf eine verbesserte Erfassung und Rückverfolgbarkeit von zurückgewonnenen Materialien innerhalb der zertifizierten Recycling-Lieferkette. Die neue Version wird zum 31. Dezember 2026 verpflichtend.
Für Lieferantenbewertungen Ende 2026 sollte daher auch geprüft werden, auf welche GRS-Version sich aktuelle Dokumente beziehen.
Besonders bei recycelten Textilien in der Mode spielen Materialnachweis und Chain of Custody eine zentrale Rolle.
Was ist der Recycled Claim Standard (RCS)?
Auch der Recycled Claim Standard (RCS) wird von Textile Exchange verwaltet.
Seine Aufgabe ist vor allem, recycelte Materialien zu verifizieren und deren Chain of Custody innerhalb der Lieferkette zu dokumentieren.
Der RCS setzt einen engeren Schwerpunkt als der GRS.
Während GRS zusätzlich soziale, ökologische und chemische Anforderungen an relevante Verarbeitungsschritte enthält, konzentriert sich RCS primär auf die Integrität und Rückverfolgbarkeit des Recyclingmaterials.
RCS kann grundsätzlich für Produkte mit mindestens 5 % recyceltem Material relevant sein.
Die aktuelle RCS Version 3.0 wurde am 1. Juli 2026 veröffentlicht.
GRS oder RCS: Was ist für eine Modemarke sinnvoller?

Das hängt vom Ziel der Marke ab.
RCS ist besonders relevant, wenn:
- der Recyclinganteil unabhängig verifiziert werden soll
- Chain of Custody im Mittelpunkt steht
- ein nachvollziehbarer Nachweis über recyceltes Material benötigt wird
GRS ist eher geeignet, wenn:
- Recyclingmaterial nachgewiesen werden soll
- zusätzlich soziale Anforderungen berücksichtigt werden sollen
- chemische Anforderungen relevant sind
- ökologische Anforderungen an Verarbeitungsschritte Teil der Beschaffungsstrategie sind
GRS ist somit umfassender, aber nicht automatisch für jede Kollektion notwendig.
Die Zertifizierung sollte zum konkreten Beschaffungsziel passen.
Bio und recycelt sind zwei unterschiedliche Claims
Ein weiterer häufiger Fehler ist die Vermischung von „organic“ und „recycled“.
Bio beschreibt in erster Linie die Herkunft und Produktion eines landwirtschaftlichen Rohstoffs.
Beispiel:
100 % zertifizierte Bio-Baumwolle
Recycelt beschreibt dagegen Material, das aus einem entsprechenden Abfallstrom zurückgewonnen und erneut verarbeitet wurde.
Beispiel:
60 % recyceltes Polyester, 40 % Baumwolle
Ein recyceltes Material ist nicht automatisch biologisch.
Ein biologisch erzeugtes Material ist nicht automatisch recycelt.
Für Markenkommunikation empfiehlt sich deshalb eine möglichst präzise Aussage.
Bezeichnungen wie:
- „Eco Fabric“
- „Green Cotton“
- „Sustainable Polyester“
- „Environmentally Friendly Material“
sind deutlich unspezifischer als überprüfbare Aussagen zu einer konkreten Faser oder Zertifizierung.
Produktzertifizierung vs. zertifizierter Betrieb
Hier entsteht in B2B-Beschaffungsprozessen besonders häufig ein gefährliches Missverständnis:
Eine zertifizierte Fabrik bedeutet nicht automatisch, dass jedes dort produzierte Kleidungsstück zertifiziert ist.
Ein Unternehmen kann für bestimmte Standards, Prozesse und Produktgruppen zertifiziert sein.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jede beliebige Bestellung automatisch unter dieser Zertifizierung produziert wird.
Vor allem Marken, die mit mehreren Stofflieferanten, Färbereien, Druckereien oder Subunternehmern arbeiten, sollten genau prüfen, welche Produktionsschritte tatsächlich innerhalb der zertifizierten Lieferkette liegen.
Scope Certificate und Transaction Certificate: Der entscheidende Unterschied
Bei GOTS-, GRS- und RCS-Lieferketten sollten Einkäufer zwei Dokumenttypen kennen.

Scope Certificate
Das Scope Certificate (SC) bestätigt grundsätzlich, dass ein Unternehmen für definierte Produkte, Prozesse oder Tätigkeiten zertifiziert ist.
Prüfen Sie insbesondere:
- Unternehmensname
- Produktionsstandort
- Zertifizierungsstandard
- Gültigkeitszeitraum
- zertifizierte Prozesse
- relevante Produktgruppen
- Zertifizierungsstelle
Ein Scope Certificate beantwortet also vereinfacht die Frage:
„Ist dieser Lieferant grundsätzlich berechtigt, entsprechende zertifizierte Ware anzubieten oder zu verarbeiten?“
Transaction Certificate
Ein Transaction Certificate (TC) bezieht sich dagegen auf eine konkrete zertifizierte Warenbewegung oder Transaktion.
Textile Exchange weist ausdrücklich darauf hin, dass Transaction Certificates zur Dokumentation zertifizierter Materialkäufe verwendet werden.
Für eine Einkaufsabteilung lässt sich daraus eine einfache Regel ableiten:
Scope Certificate vor dem Auftrag prüfen.
Transaction Certificate für die tatsächlich gelieferte zertifizierte Ware prüfen.
Das reduziert das Risiko, dass ein allgemeines Fabrikzertifikat fälschlicherweise als Nachweis für eine konkrete Bestellung verwendet wird.
Welche Dokumente sollten Fashion Brands anfordern?
Eine professionelle Dokumentation sollte bereits während der Materialbeschaffung aufgebaut werden.
Je nach Standard können dazu gehören:
- aktuelles Scope Certificate
- relevante Transaction Certificates
- Zertifikatsnummer
- genaue Materialbeschreibung
- Faserzusammensetzung
- Prozentanteil des zertifizierten Materials
- Angaben zu Pre-Consumer- oder Post-Consumer-Recyclingmaterial
- Informationen zu Subunternehmern
- Nachweise zu Färberei, Druckerei oder Wäscherei
- Einkaufsbelege
- Materialrechnungen
- genehmigte Claims
- Freigaben zur Verwendung von Zertifizierungslogos
Bei OEKO-TEX können Zertifikatsnummern zusätzlich über den offiziellen Label Check überprüft werden.
Die Dokumentation sollte nicht erst dann zusammengesucht werden, wenn die Kollektion bereits online ist.
10 Fragen, die deutsche Modemarken ihren Lieferanten stellen sollten
Vor Stofffreigabe und Produktionsauftrag empfehlen sich mindestens folgende Fragen:
- Welche Zertifizierung besitzt genau dieses Material?
- Können Sie uns das aktuelle Scope Certificate zusenden?
- Ist unser Stoff beziehungsweise Produkt tatsächlich im Scope enthalten?
- Erhalten wir für unsere Bestellung ein Transaction Certificate?
- Wie hoch ist der genaue Anteil des zertifizierten Materials?
- Handelt es sich bei Recyclingfasern um Pre-Consumer- oder Post-Consumer-Material?
- Sind Färben, Drucken, Waschen und Finishing innerhalb der zertifizierten Lieferkette abgedeckt?
- Sind eingesetzte Subunternehmer ebenfalls entsprechend zertifiziert?
- Welche Zertifizierungsclaims oder Logos dürfen wir auf unserem Produkt und unserer Website verwenden?
- Kann derselbe zertifizierte Stoff aus dem Sampling später auch für die Bulk-Produktion geliefert werden?
Gerade Punkt zehn wird häufig unterschätzt.
Ein Sample aus einem zertifizierten Stoff bedeutet wenig, wenn für die Serienproduktion später auf eine andere Materialquelle gewechselt werden muss.

Warum die Türkei für zertifizierte Bekleidungsproduktion interessant ist
Die Türkei verfügt über eine stark integrierte Textil- und Bekleidungsindustrie.
Viele Produktionsschritte können innerhalb eines vergleichsweise kompakten regionalen Netzwerks abgedeckt werden:
- Garnproduktion
- Stricken und Weben
- Stoffhandel
- Färben
- Waschen
- Veredeln
- Zuschneiden
- Nähen
- Qualitätskontrolle
- Export
Auch im Bereich zertifizierter Textilien spielt die Türkei eine bedeutende Rolle.
Nach Angaben von GOTS entfielen 2025 rund 11,7 % der weltweit GOTS-zertifizierten Betriebe auf die Türkei. Deutschland lag zum Vergleich bei 5,4 %.
Für deutsche Fashion Brands bietet insbesondere Istanbul zusätzlich einen geografischen Vorteil: kürzere Transportwege und eine deutlich nähere Produktionsbasis als viele asiatische Beschaffungsmärkte.
Die geografische Nähe ersetzt jedoch keine Zertifikatsprüfung.
Auch in einer etablierten Textilregion muss jeder konkrete Lieferant und jede konkrete Lieferkette verifiziert werden.
Zertifizierte Materialien mit Istanbul Factory beschaffen
Bei Istanbul Factory sollten Nachhaltigkeits- und Zertifizierungsanforderungen idealerweise bereits im ersten Produktionsbriefing definiert werden.
Nicht erst nach dem Sampling.
Für Fashion Brands, Streetwear Labels, Start-ups und etablierte Unternehmen unterstützen wir unter anderem bei:
- Material- und Stoffbeschaffung
- Private-Label-Bekleidungsproduktion
- Custom Clothing Manufacturing
- Sampling
- Print und Stickerei
- Produktionskoordination
- Qualitätskontrolle
- Abstimmung von Zertifizierungsanforderungen mit relevanten Lieferkettenpartnern
Wenn Ihre Kollektion beispielsweise GOTS-zertifizierte Bio-Baumwolle, GRS- oder RCS-verifizierte Recyclingfasern oder OEKO-TEX STANDARD 100 Materialien benötigt, sollte diese Anforderung vor der finalen Stoffauswahl feststehen.
So lässt sich frühzeitig prüfen:
- ob das gewünschte Material verfügbar ist
- welcher Lieferant geeignet ist
- welche Zertifizierung tatsächlich besteht
- welche Dokumentation bereitgestellt werden kann
- welche Claims später verwendet werden dürfen
- ob die Zertifizierung auch für die geplante Bulk-Produktion realistisch umsetzbar ist
Planen Sie eine nachhaltigere oder zertifizierte Bekleidungskollektion in der Türkei?
Istanbul Factory unterstützt B2B-Fashion-Brands bei Stoffbeschaffung, Sampling und Bekleidungsproduktion in Istanbul.
Sprechen Sie mit uns über Ihre Materialien, Stückzahlen, Zertifizierungsanforderungen und Produktionsziele.
Häufig gestellte Fragen zu GOTS, OEKO-TEX, GRS und RCS
Was sind die wichtigsten Nachhaltigkeitszertifizierungen für Mode?
Zu den häufigsten Standards gehören GOTS, OEKO-TEX STANDARD 100, GRS und RCS. Sie prüfen jedoch unterschiedliche Bereiche: GOTS konzentriert sich auf zertifizierte Biofasern und Verarbeitung, OEKO-TEX STANDARD 100 auf Schadstoffe und GRS beziehungsweise RCS auf recycelte Materialien und deren Rückverfolgbarkeit.
Ist OEKO-TEX STANDARD 100 ein Bio-Zertifikat?
Nein. OEKO-TEX STANDARD 100 ist in erster Linie ein Standard für schadstoffgeprüfte Textilien. Eine STANDARD-100-Zertifizierung beweist nicht automatisch, dass Baumwolle biologisch angebaut wurde.
Was ist der Unterschied zwischen GRS und RCS?
Beide Standards verifizieren recycelte Materialien und deren Rückverfolgbarkeit. Der GRS enthält darüber hinaus zusätzliche Anforderungen in den Bereichen Umwelt, Chemikalien und soziale Verantwortung bei relevanten Verarbeitungsschritten.
Bedeutet eine GRS-zertifizierte Fabrik, dass meine Kleidung GRS-zertifiziert ist?
Nein. Die Zertifizierung eines Unternehmens bedeutet nicht automatisch, dass jedes dort hergestellte Produkt unter die Zertifizierung fällt. Die konkrete Ware und ihre Lieferkette müssen entsprechend dokumentiert sein.
Was ist ein Scope Certificate?
Ein Scope Certificate bestätigt, dass ein Unternehmen innerhalb eines bestimmten Zertifizierungsstandards für definierte Produkte, Prozesse oder Tätigkeiten zertifiziert ist.
Was ist ein Transaction Certificate?
Ein Transaction Certificate dokumentiert eine konkrete Transaktion beziehungsweise Warenbewegung zertifizierter Materialien oder Produkte innerhalb der Lieferkette.
Kann ein Kleidungsstück mehrere Zertifizierungen haben?
Ja. Unterschiedliche Zertifizierungen können verschiedene Eigenschaften desselben Produkts abdecken. Beispielsweise kann ein Material sowohl Anforderungen hinsichtlich Recyclinganteil als auch Anforderungen hinsichtlich Schadstoffprüfung erfüllen. Jeder Claim muss jedoch separat durch die entsprechende Zertifizierung gedeckt sein.
